Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Heilige Berge
Neuvatikao - San Francisco Peaks
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ördlich von Flagstaff und weithin sichtbar, erheben sich aus der 2000 m hohen Hochebene Arizonas die höchsten Berge dieses amerikanischen Bundesstaates, die San Francisco Peaks.
Für die hier lebenden Indianer, die Hopi und die Navajos, gilt der

Gebirgsstock, mit dem 3.849 m hohen Humphrey´s Peak als höchsten Punkt, schon seit undenklichen Zeiten als heilig. Das Volk der Navajos (Navaho) betrachtet ihn als einen ihrer vier Eckpfeiler-Berge, für die Hopi sind die Berge die Wohnstätten der Kachinas.

Das Gebiet um die San-Francisco-Peaks war schon seit Urzeiten besiedelt, archäologische Ausgrabungen datieren Funde von 15.000 bis 12.000 v. Chr.. Die früheste wissenschaftlich fassbare Kultur am Fusse der San-Francisco-Peaks ist die der Anasazi, die hier etwa von 400 n. Chr. bis 1300 n.Chr. lebten.

Die Hopi

Die Hopi gelten als Nachfahren der Anasazi, und tatsächlich finden sich viele Gemeinsamkeiten in ihren Kulturen. Das Wort Hopi bedeutet in ihrer Sprache Friede, es ist nicht nur ein Stammesname, sondern eine Verhaltensweise: sanft, friedfertig, demütig. Die Hopi, die sich als eine unabhängige und souveräne Nation sehen, sind im Westen durch die Veröffentlichung ihrer Prophezeiungen bekannt geworden. Für sie, die die San Francisco Peaks Neuvatikao nennen, ist das Massiv von überragender Bedeutung.

Kachina
Kachina

In ihrer Vorstellung leben auf den San Francisco Peaks die Kachinas. Kachinas sind übernatürliche Wesen, Geister, die in allem wohnen: im All, in den Sternen , in Felsen, Tieren, Pflanzen, sogar Menschengestalt können sie annehmen. Sie leben auf dem Grund eines großen Sees in der Unterwelt und dienen als Vermittler zwischen den Menschen und den höheren Mächten. Daneben sind die Kachinas, von denen es ca. 250 geben soll, auch hilfreiche Wohltäter, nicht nur für

den Einzelnen, sondern für eine ganze Gemeinschaft. In ihrer Form als Geistwesen haben sie gossen Einfluss auf die Natur und damit auch auf den Regen und Schnee, der für die Wasserversorgung in dieser wüstenartigen Landschaft von grosser Bedeutung ist. Sie stehen mit den wichtigen Quellen in Verbindung, da gerade der Schnee, der fast ganzjährig auf den Peaks zu finden ist, als wichtigster Wasserspender angesehen wird. So liegt es nahe, dass insbesondere die Wetter-Kachinas eine besondere Rolle für die vom Ackerbau lebenden Hopi spielen und in ihren Tänzen erscheinen.

Im Glauben der Hopi bringen die aus den Bergen herabsteigenden Kachinas den Menschen Früchte der letzten Ernte mit und werden mit dem sechzehn Tage bis Mitte Juni währenden Niman-Tanz, Heimkehr-Tanz, wieder in die Bergwelt der San Francisco Peaks verabschiedet. Dieser und andere Kachina -Tänze, in denen die Tänzer auch Kachinas darstellen, haben im Leben der Hopi einen bedeutenden religiösen Stellenwert und finden während des ganzen Jahres statt. In Anlehnung an

Hopi - Tänzer
Hopi-Tänzer

die Geschenke der Kachinas werden während des Tanzes an die Zuschauer Melonen und andere Speisen verteilt, die Kinder bekommen Puppen sowie Pfeil und Bogen. Um die Kinder an diese Gestalten zu gewöhnen und ihnen die vielschichtige Bedeutung der Kachinas und der Zeremonien nahe zu bringen, werden ihnen schon früh Katchinapuppen, Tithu, geschenkt, die in diesem Fall nicht als Spielzeug, sondern als Erinnerungshilfe geraucht werden. Bei den an Touristen und Museen verkauften Tithus handelt es sich immer um fehlerhafte Exemplare, die nicht zu spirituellem Gebrauch geeignet sind.

Die San Francisco Peaks spielen auch in der Hopi-Schöpfungsmythologie eine Rolle. Laut diesem Mythos, hatte die Grossmutter Spinne mit ihren zwei Zwillings-Enkelsöhnen, Pokanhoya und Polongahoya, grosse Mühe mit der Urbarmachung der Erdoberfläche. Nachdem sie aus Wildlederscheiben Sonne und Mond schufen, liefen die Zwillinge über die noch weiche Erde, die unter ihren Füssen fest wurde. Um Gebirge wie den Neuvatikao zu schaffen, häuften sie Schlamm auf.

Die Navajo - Das Menschenvolk

Die Navajo nennen sich selbst Diné - "das Menschenvolk". Dieses aus der Tewa-Sprache stammende Wort, navahuu, bezeichnet ein bestelltes Feld in einem Arroyo (Trockental).

Navajo
Navajo-Indianer

Zu Bergen haben die vom Ackerbau lebenden Navajos eine besondere Beziehung. In ihren Schöpungsmythen spielen vier Berge eine grosse Rolle. Zentrum dieser Welt und Herz des Universums ist ein grosser Fels, der, in der Unterwelt verwurzelt , sich bis in die obere erstreckte und weit über sie hinausragte. Ausgerichtet in alle vier Himmelsrichtungen, erglühten seine Seiten in verschiedenen Farben. Dieser Berg, den sie schlicht "den Berg", "Berg, um den Bewegung stattfand" oder "der von Bergen umringte Berg" nannten, war Zentrum ihres Daseins.

"Östlich dieses Urfelsens", so W.Y. Evans-Wentz (1), "errichteten sie den aus Sand und weissen Muscheln geformten (der Sonne geweihten) heiligen Berg des Ostens, südlich den aus Sand und blau-grünen Türkisen bestehenden Berg des Südens; westlich den aus gelb-roten Sand und versteinerten Mollusken verfertigten Berg des Westens und nördlich den aus schwarzen Sand und Jet bestehenden Berg des Nordens. Jedem Berg versahen sie mit einem heiligen , einem sprechenden Gott, der den Berg behütete und den ihm dargebrachten Gebeten und Gesängen Gehör schenkte".

Vier heilige Berge bilden die Eckpfeiler ihres Denkens, ihrer religiösen Vorstellungen und ihres Lebensraumes: der Berg des Nordens ist der Hesperus Peak in Colorado, ebenfalls in Colorado liegt der Berg des Ostens, der Blanca Peak, der Mount Taylor ist der Berg des Südens und die San Francisco Peaks die Berge des Westens. Der Berg im Zentrum dieses Mandalas ist nicht physisch, er war immer schon - sein Gipfel, der El Huerfano, verkörpert nur sein materielles Gegenstück. Auffällig ist die grosse Ähnlichkeit zum in der Kosmographie Asiens weit verbreiteten Weltenberg Meru.

Wie wichtig die Gebete der Hopi und Navajo geworden sind, zeigt sich in der Entwicklung des Gottes des weissen Mannes, der im Indianer-Land und natürlich auch auf, oder besser an den San Francisco Peaks immer mächtiger wurde: der Gott der Zerstörung. 1962 wurde an den Westhängen der Berge, gegen den massiven Protest der Hopi und Navajos, ein Skilift gebaut. In einem Rechtsstreit gegen weitere Massnahmen beriefen die Hopi sich auf das "American Indian Religious Freedom-Gesetz". Nach geltendem amerikanischen Recht in diesem Zusammenhang aber nur Orte relevant, die innerhalb der Reservation liegen, was bei den San Francisco Peaks leider nicht der Fall ist. Auch die Navajo legten Widerspruch ein und beschlossen sich öffentlich zu der Frage zu erklären. Im Verlauf des Rechtsstreits sammelten Anwälte Aussagen und Erklärungen, darunter auch von einigen Navajos, die auf ihre Schöpfungsgeschichte verwiesen und geltend machten, manche darin enthaltenen Episoden seien ein Beweis dafür, dass jeder weitere Skilift und jeder weitere Quadratmeter Asphalt in der Umgebung der Liftanlage eine Entweihung dieses heiligen Geländes darstellen würde.

 
Navajo
Zun Thema

Geologisch gesehen, sind die San Francisco Peaks die Überbleibsel des einzigen Stratovulkans innerhalb des San Francisco Vulkanfeldes. Früher nahm man an, die Spitze des ehemaligen Berges sei einfach im Laufe der Zeit erodiert und abgetragen worden, bis sich die jetzige Form ausprägte, aber die Explosion des Mount St. Helen brachte die Geologen zum Überdenken ihrer Theorie. Wie normalerweise angenommen, entladen sich die

San Fancisco Peaks
 

gewaltigenExplosionen von Stratovulkanen senkrecht in den Himmel. Am Mount St. Helen konzentrierte sich die Energie allerdings zur Seite, was den Großteil des Vulkans einfach wegsprengte. Dieses könnte auch eine Erklärung für die Entstehung der San Francisco Peaks sein.

Navajo

(1) Evans-Wentz, W.Y., Cuchama, Spinx

 

Quelle: Internet; Olschak u.a., Himalaya, vgs; Gratzel,K., Mythos Berg, Hollinek; Nepal:Annapurna (Outdoor Handbuch), Conrad Stein Verlag


OM MANI PADME HUM
OM! Juwel im Herzen des Lotus!HUM!

© emmet 4-2008

 

 

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