Genius Loci
Der Geist des Ortes

 
 

OBEN
Heilige Berge
Shatrunjaya  
A

ndiens westlichster Bundesstaat, die Halbinsel Gujarat, ist berühmt als der Geburtsort Mahatma Gandhis und als der letzte Zufluchtsort der asiatischen Löwen.
Mit dem ca. 700 m hohen Shatrunjaya bei Palitana, ist hier auch der be-

deutendste der fünf heiligen Berge der Jaina zu finden. Sein Gipfelbereich ist mit einer Vielzahl von bedeutenden Tempel überzogen.

3.572 Stufen, andere Autoren sprechen von 3.309 , sollen es sein, die den Pilger auf den wichtigsten der heiligen Jaina-Berge führen. Der etwa zweistündige Aufstieg beginnt ca. 2 km von Palitana, in Jay Taleti.

Shatrunjaya
Treppe auf den
heiligen Berg

Die ausgedehnten Tempelkomplexe gliedern sich in drei Bereiche, von denen zwei jeweils Plateaus sind und der dritte eine diese Plateaus trennende Schlucht - sie alle liegen innerhalb von elf Tuk, wie die Ummauerungen der Jaina-Tempel genannt werden. Die Zahl der Tempel und Bilder bzw. Bildnisse ist imposant: Insgesamt sollen es um 850 Tempel, von denen 106 als gross bezeichnet werden, mehr als 11.000 Marmorbilder und 711 Metallfiguren sowie 8961 Fussabdrücke sein. Nach heutigem Kenntnisstand wurden die Tempel grösstenteils im 9./10. Jahrhundert erbaut und fielen unter der Herrschaftszeit der islamischen Mogul-Dynastie einem beispiellosen Bildersturm zum Opfer. Die frühesten der wiederaufgebauten und heute vorhandenen Tempeln stammen aus dem 15./16. Jahrhundert. Interessant ist, dass sich innerhalb der Mauern ein Grab eines moslemischen Heiligen befindet, der die Stadt vor den Angriffen beschützt haben soll. Sein Grab mit Namen Angar Pit, ist heute immer noch ein Ort der Andacht - als Beschützer der Kinder finden sich hier viele Miniaturwiegen.

Der typische Shatrunjaya-Tempel hat einen aufwändig gepflasterten, von einer Mauer umfassten Hof, Kapellen mit Bildnissen der Tirthankaras und einen auf einem Sockel ruhenden Haupttempel. Dieser besteht aus einer verzierten, durch Säulen getragenen Eingangshalle, der Ardhamandapa, gefolgt von der Mandapa, der grosse Halle, mit prunkvoll ausgeführter Decke; eine Garbhagriha, "Zimmer des Embryos", bildet die Cella (Hauptraum mit Götterbild) des Tempels.

In Indien relativ selten, aber für die Shatrunjaya typisch, sind die Chaturmukha. Diese zwei- oder mehrstöckigen Tempel sind auf vier Seiten geöffnet. Ihre Cella beherbergt ein Bildnis des Tirthankaras mit vier Gesichtern, die durch die Öffnungen blicken, denen Laubengänge vorgelagert sind.

Der bedeutendste dieser Tempel ist der 1618 erbaute zweistöckige, reich verzierte Chaumukha (Chaumukhji) -Tempel. Seine sich an den vier Seiten öffnende Cella ist dem ersten Tirthankara, Adinatha, geweiht, dessen vier Gesichter als Zeichen des Schutzes in die vier Himmelsrichtungen blicken.

Shatrunjaya
Blick in einen der zahlreichen
Innenhöfe

Aus heimischem Marmor gefertigt ist der Haupttempel der Anlage, der Adishvara (Adinatha). Dieser um 960 erbaute und nach der Zerstörung durch die Moslems 1530 wieder aufgebaute Tempel ist ebenfalls Adinatha, dem ersten Tirthankara, geweiht. Der zweistöckige

Tempel steht innerhalb einer mit kleineren Kapellen ausgestatteten Ummauerung und besitzt einen mit mehrfarbigem Marmor gepflasterten Hof. Seine hyperstilisierte Mandapa ist mit fein geschnitzten Statuen und wunderbaren Deckenornamenten versehen. Dieser am heiligsten Ort Shatrunjayas stehende Tempel gehört zu den schönsten des gesamten Komplexes. Die in Gesimse unterteilten Tempelwände, sind mit einer Vielzahl von Statuen-Gruppen und geometrischen Figuren oder Ornamente besetzt.

Die vielen anderen Heiligtümer sind neueren Ursprungs und ebenfalls mit komplizierten Einlegearbeiten an Fenster und Wänden, sowie Bodenmosaiken versehen. In ihnen sind die aus weissem Marmor gefertigten Tirthankaras mit ihren weit geöffneten Augen und silbernen Pupillen besonders beeindruckend, sie sollen die kristalline Transparenz der Erleuchteten zum Ausdruck bringen.

Tirthankaras
Tirthankaras aus weissem Marmor

Ebenso wie Girnar, wird der Berg nicht nur bestiegen sondern auch umwandelt. Für die Parikrama gibt es am Shatrunjaya drei unterschiedlich lange Routen. Die längste mit 40 km beginnt und endet in Palitana, eine zweite, kürzere, führt direkt entlang des Bergfusses und die dritte folgt den Mauern, die die "Neun Heiligen Spitzen des Berges" umschliessen.

Schreibweisen:
Shatrunjaya, Satrunjaya, Satrunjay, Shertrunjaya

OM!
 

Quelle: Internet; Gratzl, K., Heilige Berge, Hollinek; Albnese, M., Indien, K. Müller Verlag; Lexikon des Buddhismus, Herder Verlag



OM MANI PADME HUM
OM! Juwel im Herzen des Lotus!HUM!

© emmet 3-2008

 

 

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